Zehn Tage, 3 Unterhosen, ein Pilgerweg – Mein Weg nach Santiago de Compostela

Für viele Fernwanderer ist es das Traumziel schlechthin. Santiago de Compostela in Spanien als Ziel einer langen Wanderung. Doch nicht jeder hat 4-6 Wochen Zeit quer durch Spanien zu pilgern. Vor diesem Problem stand ich auch. Aber ich habe eine Lösung gefunden. Ich habe es geschafft innerhalb von 10 Tagen nach Santiago de Compestela zu pilgern. Der Camino Portugues war die Lösung.

Ich erinnere mich noch als wäre es heute gewesen. Wieder mal ein grauer Freitag. Wieder mal ein langer Tag im Büro wieder mal ins Träumen geraten was man mit seiner Zeit besseres anstellen könnte.

Da kam er mir wieder in den Sinn der gute alte Traum von Rucksack auf Sachen rein und einfach loslaufen. Und diesmal ließ ich den Traum nicht mehr gehen. Zu lange hatte ich diesen Traum hintenangestellt.

Alles war wichtiger: berufliche Karriere, Familie gründen, sesshaft werden. Doch eines blieb auf der Strecke: meine Träume!

Somit verbrachte ich ein paar Stunden im Internet um einen passenden Wanderweg zu finden. Und wenn man nach Fernwanderwegen sucht kommt man um eines nicht Drumherum: die Jakobswege welche quer durch Europa führen.

Mir war schnell klar, ich möchte im Ausland laufen. Ich kenne zwar auch noch nicht alle Ecken in Deutschland, fand es aber spannender in einem Land zu laufen wo ich nicht alles weiß und auch der Sprache nicht mächtig bin.

Doch welchen Weg sollte ich nehmen? Quer durch Spanien oder am Atlantik lang? Diese beiden Wegvarianten hatten es mir angetan. Problem war die Länge der Strecken mit einer Gehzeit von mindestens vier Wochen. Sportlich traute ich es mir zu.

Aber 4-6 Wochen Auszeit von Arbeit und Familie das könnte schwierig werden.

Also wurde zuerst der Familienrat einberufen. Nach langen Diskussionen war klar, das lässt sich nicht realisieren. Aber aufgeben kam nicht in Frage. Zu groß war der Drang endlich mal wieder was nur für mich zu tun. Zu groß war der Drang mal wieder richtig frei zu sein.

Ich überlegte wie ich meinen Traum umsetzen kann. Nur ein Stück von einem Pilgerweg zu laufen, kam für mich nicht in Frage. Das fühlte sich für mich irgendwie nicht richtig an.

Ich suchte weiter nach einer Lösung. Da stieß ich auf den Camino Portugues. Der portugiesische Jakobsweg führt 240 km von Porto bis nach Santiago de Compestela.

Bingo! Das ist zu schaffen in zwei Wochen.

Die Vorbereitung

Die Strecke stand also fest. Der Reisetermin war auch schnell gefunden. Ich entschied mich für Mai 2017. Somit waren die Randdaten gesetzt.

Und im Januar 2017 wurde es dann langsam ernst mit der Planung. Als erstes musste ein Flug gefunden werden. Nach vielen Preisvergleichen entschied ich mich gegen die bekannten Billigfluglinien da ich den Frankfurter Flughafen direkt vor der Nase habe.

Von dort gibt es zwar keine Billigfluglinien aber eine gute Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr. Sogar von meinem Dorf kommt man innerhalb einer guten Stunde mit der Bahn zum Flughafen.

Da ich erst nachmittags in Porto ankommen werde, entschied ich mich für eine Übernachtung in Porto anstatt gleich loszulaufen, was vom Flughafen auch möglich sein soll.

Da ich während des Pilgerns meine Komfortzone verlassen möchte stand auch der Entschluss fest, wo es geht werde ich in Pilgerherbergen übernachten. Pilgerherberge gehört für mich zur Einfachheit des Pilgerns dazu.

Somit buchte ich mir für die erste Übernachtung in Porto ein Bett in einem 8 Mann/Frau Schlafsaal in einem Hostel. Muss schon sagen, machte mich etwas nervös diese Vorstellung. Mit sieben fremden Menschen in einem Schlafsaal und kein eigenes Bad. Aber was solls, ich wollte es ja so 😊

Ein Wanderführer musste auch noch her, ich entschied mich für den klassischen gelben von Raimund Joos.

Das war es dann auch schon. Mehr buchte ich nicht vor. Nur die Flüge jeweils von Porto aus und die erste Übernachtung.

Der Rest sollte sich unterwegs ergeben. Wie ich nach Spanien komme und auch wieder zurück nach Porto, mal schauen….

Bin in meinem normalen Leben schon mehr als durchgeplant und genau dem möchte ich während dieser Reise auch entgehen. Mich einfach treiben lassen und mal schauen was der Tag so bringt.

Die Ausrüstung

Minimalistisch sollte es sein, schon des Gewichtes wegen. Jedes Kilo mehr auf dem Rücken bedeutet auch mehr Schlepperei und Kraftaufwendung.

So minimierte ich mich auf das wesentliche an Kleidung was zur Folge hatte das jeden Abend ein Waschgang nicht nur für mich, sondern auch für die getragene Kleidung anstand.

Ich nannte dies nach den ersten Tagen Pilgern meine Pilgerroutine. Jeden Abend das gleiche Ritual: Unterkunft suchen, Duschen, Wäsche waschen, was essen und müde ins Bett fallen. Ja das Leben kann so einfach sein 😉

Beim Rucksack entschied ich mich für den Deuter ACT Lite 40+10. Vom Eigengewicht leider sehr hoch, aber im Vergleich zu anderen Rucksäcken die ich probierte passte dieser hervorragend und bot den besten Tragekomfort. Und da andere Modelle auch nicht leichter waren, zu mindestens in dieser Preisklasse, stand der Entschluss fest.

Der Streckenverlauf wird geplant

Wenn ich auch unterwegs alles auf mich zukommen lassen will, einen groben Wegverlauf wollte ich schon haben. Ich entschied mich für 1,5 Tage am Atlantik zu laufen, dann ins Landesinnere durch Portugal zu wandern. In Valencia über die europäische Brücke nach Tui und weiter durch Spanien nach Santiago de Compestela.

Im Schnitt hatte ich 24 Kilometer angesetzt pro Tag, aber erstens kommt es anders und zweitens als man plant…Schon nach drei Tagen Pilgern war die Planung über den Haufen geworfen und ich lief einfach, mal mehr Kilometer mal auch deutlich weniger.

Die Reise kann beginnen

Ich konnte es kaum erwarten, endlich am 16.05.2017 an den Flughafen zu fahren. 2 Wochen Abenteuer, Ungewissheit und sicherlich auch viel Zeit zum Nachdenken wartet auf mich. Und da Bilder mehr sagen als Worte, geht es nun mit selbigen weiter:

Mein Start in Porto

Der erste Pfeil direkt an der Kathedrale von Porto war schnell gefunden. Aber für die ersten 1,5 Tage brauchte man die nicht wirklich. So lange man links von sich Wasser hatte war man auf dem richtigen Weg. Erst am Douro lang aus Porto raus und dann immer am Atlantik lang.

Am Atlantik ging es dann über diese Holzstege immer geradeaus.

Einfach traumhaft dieser Streckenabschnitt am Atlantik

Nach 1,5 Tagen Fußmarsch ging es dann durch das Landesinnere von Portugal weiter

 

Blick auf Ponte de Lima

Frühstück mitten im nirgendwo von Portugal. Sonnenaufgang inklusive, das Leben kann so prachtvoll sein

 

In Valenca heißt es Abschied nehmen von Portugal. Über die europäische Brücke geht es nach Spanien

Tagesanbruch in Caldas de Reis und nicht nur ich bin schon wach….

Nützliche Links

In der Vorbereitung und auch während der Reise haben mir folgende Links weitergeholfen:

 

Camino-Portugues

Auf der Seite von Dominik und Christoph findest Du viele nützliche Information rund um den Camino Portugues. Vorbeischauen lohnt sich auf jedenfall. Von dieser Seite hatte ich auch den Tipp für meine erste Übernachtung in Porto. Und da scheine ich nicht der einzige zu sein, ich wurde im Hostel direkt angesprochen ob ich über diese Seite die Unterkunft gefunden habe.

Bistum Limburg

Auf der Seite vom Bistum Limburg kannst Du dir deinen Pilgerausweis bestellen. Dieser ist wichtig, damit Du in den Pilgerherbergen übernachten kannst. Für 6€ bekommst du neben dem Pilgerausweis noch einen Umschlag voll mit Informationen rund ums Pilgern.

Booking.com

Nützlich für unterwegs um eine Unterkunft zu buchen. Ich habe hierüber von Unterwegs meine Unterkunft in Santiago sowie für Porto gebucht.

Busbud

Über diese Seite habe ich mein Busticket gebucht um von Santiago nach Porto zu kommen. Einziges Manko, Du musst es unterwegs schaffen Dir dein Ticket auszudrucken. Sollte aber in den meistens Hostels kein Problem sein. Alternativ kannst Du dein Ticket auch in der Innenstadt von Santiago oder direkt im Busbahnhof (1.Stock) kaufen.

Und was hat Dir diese Reise jetzt gebracht?

Diese Frage habe ich nach meiner Rückkehr sehr oft gestellt bekommen. Und ich kann sagen, wenn es auch nur zwei Wochen waren, es hat mein Leben verändert. Hatte mich komplett abgeschaltet für zwei Wochen. Keine E-Mails, kein Social Media. Smart Phone diente nur als Fotoapparat und im Notfall zur Buchung einer Unterkunft.

Ich habe gelernt mit wie wenig man auskommen kann. Das ich den ganzen Konsum nicht wirklich brauche. Auch rund um die Uhr online und erreichbar sein ist nicht nötig.

Auch das Menschen aus den verschiedensten Nationen friedlich miteinander umgehen können, hat mich gerade in unserer Zeit sehr gefreut.

Das einzige Problem was ich mitgebracht habe von dieser kurzen Auszeit vom Leben, ist das ich in das selbige nicht mehr zurückfinde. Auch wenn ich jetzt schon wieder einen Monat zuhause bin, habe ich mich an die Hektik des Alltages noch nicht wieder gewöhnt.

Auch mein bisher geführtes Leben fühlt sich an als wäre ich immer nur Vollgas gefahren. Dies hat dazu geführt, dass ich nach meiner Rückkehr so einiges geändert habe um auch wieder mehr Ruhe für mich zu bekommen. Mein Smartphone ist immer noch so eingestellt wie auf der Pilgerreise. Keine Mails poppen automatisch auf, keine Social Media Anbindungen sind auf aktiv gesetzt. Und was soll ich sagen, funktioniert auch 🙂

Wie mag es Pilgern gehen die 4 Wochen und länger weg sind? Warst Du schonmal auf einem Pilgerweg unterwegs? Wen ja auf welchen und wie war es für dich? Hinterlasse einfach einen Kommentar, ich freue mich von anderen Pilgern zu hören.

Fazit: 2 Wochen Auszeit und eine wirklich intensive Zeit erleben das ist der Camino Portugues. Ich habe keine Sekunde der Wanderung bereut, habe mich unterwegs sehr wohl gefühlt und viele interessante Personen getroffen. Pilgerherbergen sind gar nicht so schlimm wie es sich anhört, ich gewöhnte mich schnell daran. Der Wanderweg ist bis auf wenige Ausnahmen wirklich sehr schön und gut begehbar auch für Wanderanfänger. Das einzig schlimme ist, einmal gepilgert und schon will man diese Art von Reisen nochmal erleben.

 

Über den Autor

Oliver Karrie ist der Gründer von effektivlaufen.de und ein leidenschaftlicher Läufer und Lauftrainer, der Dich dabei unterstützt ein effektiver Läufer zu werden. Am Anfang viele Lauffehler gemacht. Mittlerweile ist der Halbmarathon seine Lieblingsdistanz und er gibt Dir gerne jede Menge Tipps und Motivation für Deinen nächsten Lauf und Wettkampf.

Danke, dass Du den Artikel zu Ende gelesen hast.

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